Prozess
Prozess
"Satz von in Wechselbeziehung oder Wechselwirkung stehenden Tätigkeiten, der Eingaben in Ergebnisse umwandelt."

DIN EN ISO 9000:2005, Nr. 3.4.1

In den typischen Prozessen der Gesundheitsversorgung werden die diagnostischen, therapeutischen und pflegerischen Kernleistungen erbracht. Jeden Prozess kann man in einzelne Tätigkeiten (Prozeduren) zerlegen. Wechselbeziehungen der Prozeduren untereinander lassen sich durch Reihenfolge, Zeitabstände, eingesetzte Mittel u.a.m. beschreiben. Medizinische Behandlungen lassen sich als Prozess (Behandlungspfad) mit den Teilprozessen Aufnahme, Diagnostik, Präinterventionsphase, Intervention, Postinterventionsphase und Entlassung beschreiben.
Eingaben in den Teilprozess "Aufnahme" sind Befunde, Einweisungsschein, Patientenerwartungen. Das Ergebnis des Teilprozesses „Aufnahme“ ist der Aufnahmebefund und die Freigabe zur stationären Behandlung. Dieses fließt als Eingabe in den nachfolgenden
Teilprozess „Diagnostik“ ein. Endergebnis der Prozesskette "stationäre Behandlung" ist in der Regel der verbesserte Gesundheitszustand des Patienten.

Medizinische Prozesse sind unterschiedlich gut beherrschbar. Die Störanfälligkeit kann statistisch beschrieben werden (z.B. als 3 % Wundinfektion postoperativ). Die Anforderung an den Grad der Prozessbeherrschung ist Teil der Qualitätsplanung, indem für jeden Prozess
Qualitätsziele definiert werden. Dieses ist wesentlicher Bestandteil des prozessorientierten Qualitätsmanagements, wobei Prozesskennzahlen zur Bewertung der Prozessqualität herangezogen werden können. Bei der Planung und Durchführung der Behandlungsleistung unter beherrschten Bedingungen als integrierte Behandlungspfade orientiert man sich dabei an den fünf Zielkategorien von Behandlungspfaden (Kundenorientierung, Qualität, Kosten, Zeit, Termintreue). Prozesse werden üblichlicherweise in Kern-, Führungs- und Unterstützungsprozesse unterteilt:

Kernprozesse erbringen die Kernleistungen einer Organisation, sie sind für die Wertschöpfung von essentieller Bedeutung und liefern den Hauptteil des Unternehmenserfolges. Sie beginnen und enden beim Kunden. Eingaben für Kernprozesse sind der Kundenauftrag/die Kundenanforderung, Ergebnisse das gelieferte Produkt/die erbrachte Dienstleistung. Zu den Kernprozessen in der Gesundheitsversorgung gehören typischerweise die Behandlungen wie geburtshilfliche Versorgung, Behandlung von Diabetespatienten, endoprothetische Versorgung von Oberschenkelhalsfrakturen und allgemeinmedizinische Betreuung.

Führungsprozesse beschreiben die Planung und Umsetzung von Unternehmenszielen. Sie sind auf strategisches Handeln und kontinuierliche Qualitätsverbesserung ausgerichtet. Beispiele im Krankenhaus sind Organisations- und Personalentwicklung, Aufbau und Pflege von Kooperationen, kontinuierliche Verbesserung des QM-Systems.

Unterstützende Prozesse sind für die Funktionsfähigkeit des Unternehmensgefüges und der Kernprozesse entscheidend, tragen aber nur indirekt zur Wertschöpfung bei. Sie unterstützen und sichern den reibungslosen Ablauf der Kernprozesse. Beispiele in der Arztpraxis sind Materialbeschaffung, Archivierung von Krankenakten, Erbringung der Labor- und diagnostischen Leistungen.

Integrierter Behandlungspfad
„Ein Integrierter Behandlungspfad (IBP) ist ein Steuerungsinstrument, das den optimalen Weg eines speziellen Patiententyps mit seinen entscheidenden diagnostischen und therapeutischen Leistungen und seiner zeitlichen Abfolge festlegt. Interdisziplinäre und interprofessionelle Aspekte finden ebenso Berücksichtigung wie Elemente zur Umsetzung, Steuerung und ökonomischen Bewertung.“

Somit sind Integrierte Behandlungspfade eine Teilmenge der Kernprozesse einer Gesundheitseinrichtung. Diese zeichnen sich neben den generellen Prozesseigenschaften und geeigneter organisatorischer Strukturierung durch einen höheren Detaillierungsgrad medizinischer Inhalte (Pfadeinschlusskriterien, Pfaddefinition, Pfadziele), auch die explizite Implementierung von Leitlinien und deren Dokumentation aus.
Integrierte Behandlungspfade sind insbesondere ein Instrument zur Optimierung der intersektoralen Versorgung. Zum Teil sind sie schon Bestandteil von Verträgen zur Integrierten Versorgung.